Zielgruppe

Steuerberatung für Unternehmer und Selbstständige

Steueroptimierung für Unternehmer und Selbstständige in der Schweiz: Rechtsformwahl, Vorsorge, Geschäftskosten, Holdingstrukturen und GmbH-Strategien.

Die Rechtsformwahl: Fundament der Steuerplanung

Die Wahl der richtigen Rechtsform ist für Unternehmer die wichtigste steuerliche Grundsatzentscheidung. In der Schweiz stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, die sich steuerlich grundlegend unterscheiden.

Einzelunternehmen:

  • Kein separates Steuersubjekt – Gewinn wird als Einkommen des Inhabers besteuert
  • AHV-Beiträge: 10.0% auf das gesamte Einkommen (Selbstständige)
  • Einfache Gründung, kein Stammkapital nötig
  • Volle persönliche Haftung
  • Gewinn bis ca. CHF 100'000: oft steuerlich günstiger als GmbH

GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung):

  • Eigenes Steuersubjekt – Gewinnsteuer auf Gesellschaftsebene
  • Vergütung an Inhaber: Lohn + Dividende (Optimierungspotenzial)
  • Stammkapital: mindestens CHF 20'000
  • Beschränkte Haftung
  • Ab Gewinn CHF 150'000+: oft steuerlich günstiger

AG (Aktiengesellschaft):

  • Ähnlich wie GmbH, aber Aktienkapital min. CHF 100'000 (50% einbezahlt)
  • Anonymere Struktur (kein öffentliches Gesellschafterregister)
  • Höhere Gründungs- und Verwaltungskosten
  • Steuerlich gleich behandelt wie GmbH

Vergleichsrechnung – Gewinn CHF 200'000 (Kanton Zürich, ledig):

Einzelunternehmen:

  • Einkommenssteuer auf CHF 200'000: ca. CHF 42'000
  • AHV/IV/EO (10.0%): CHF 20'000
  • Gesamtbelastung: ca. CHF 62'000 (31%)

GmbH (Lohn CHF 120'000 + Gewinn CHF 80'000):

  • Einkommenssteuer auf Lohn + Dividende: ca. CHF 28'500
  • AHV auf Lohn (10.6%): CHF 12'720
  • Gewinnsteuer GmbH: ca. CHF 14'400
  • Gesamtbelastung: ca. CHF 55'620 (27.8%)
  • Ersparnis: ca. CHF 6'380 pro Jahr

Bei einem Gewinn von CHF 500'000 steigt die Ersparnis durch die GmbH auf CHF 25'000-40'000 pro Jahr.

Vorsorge als Steueroptimierungsinstrument

Für Unternehmer bietet die berufliche und private Vorsorge enorme Steuersparpotenziale:

Säule 3a für Selbstständige ohne Pensionskasse:

  • Maximalbeitrag 2026: CHF 36'288 (20% des Nettoeinkommens)
  • Steuerersparnis bei Grenzsteuersatz 35%: ca. CHF 12'700
  • Deutlich höher als der Beitrag für Arbeitnehmer (CHF 7'258)

Pensionskasse (BVG) für GmbH-Inhaber:

  • Pflichtversicherung ab Lohn CHF 22'680
  • Freiwillige höhere Versicherung möglich
  • Einkäufe in die PK sind vollständig abzugsfähig
  • Maximale Einkaufssumme gemäss PK-Reglement beachten

1e-Vorsorgeplan für Kaderlöhne:

  • Für Lohnanteile über CHF 132'300
  • Individuelle Anlagestrategie möglich
  • Höhere Arbeitgeberbeiträge als steuerfreier Aufwand der GmbH

Praxisbeispiel – Vorsorgeoptimierung über 10 Jahre: Ein GmbH-Inhaber mit Lohn CHF 150'000 und Gewinn CHF 200'000:

  • Jährlicher Säule-3a-Beitrag: CHF 7'258 → Ersparnis: CHF 2'540
  • Jährlicher PK-Einkauf: CHF 30'000 → Ersparnis: CHF 10'500
  • Jährliche Steuerersparnis: CHF 13'040
  • Über 10 Jahre: CHF 130'400 (zuzüglich Kapitalerträge)

Geschäftskosten optimal nutzen

Die korrekte und vollständige Verbuchung von Geschäftskosten ist für Unternehmer essenziell. Jeder nicht abgezogene Franken wird unnötig besteuert.

Oft vergessene Abzüge:

  1. Homeoffice-Anteil – Wenn Sie regelmässig von zu Hause arbeiten, können Sie einen Anteil der Miete, Nebenkosten und Versicherungen als Geschäftsaufwand geltend machen (z.B. 20% bei einem Arbeitszimmer von 20 m² in einer 100 m²-Wohnung).
  2. Geschäftsfahrzeug – Bei einem GmbH-Geschäftsfahrzeug: Leasingkosten, Versicherung, Treibstoff und Unterhalt als Aufwand. Privater Nutzungsanteil: 0.9% des Kaufpreises pro Monat (Pauschale) oder effektive Kosten via Fahrtenbuch.
  3. Repräsentationskosten – Geschäftsessen, Kundengeschenke und Bewirtungskosten sind abzugsfähig, sofern geschäftlich begründet und dokumentiert.
  4. IT und Software – Computer, Software-Lizenzen, Cloud-Dienste, Internetanschluss (Geschäftsanteil).
  5. Abschreibungen – Maschinen, Fahrzeuge, IT-Ausstattung und Einrichtungen können steuerlich abgeschrieben werden. Die Abschreibungssätze sind kantonal geregelt (z.B. 40% degressiv für IT, 25% für Fahrzeuge).
  6. Rückstellungen – Für erwartete Kosten (Garantie, Prozessrisiken, Grossreparaturen) können steuerlich anerkannte Rückstellungen gebildet werden.

Warnung: Übertriebene oder nicht belegbare Geschäftskosten werden bei einer Steuerprüfung als verdeckte Gewinnausschüttung umqualifiziert – mit Nachsteuer, Zinsen und unter Umständen Busse.

Holdingstrukturen und Steuerplanung

Ab einer gewissen Unternehmensgrösse lohnt sich die Prüfung von Holdingstrukturen:

Einfache Holdingstruktur:

  • Holding-GmbH hält 100% an der operativen GmbH
  • Dividenden von der operativen an die Holding-GmbH sind praktisch steuerfrei (Beteiligungsabzug)
  • Gewinne können in der Holding thesauriert und reinvestiert werden
  • Bei einem Verkauf der operativen Gesellschaft: Kapitalgewinn auf Stufe Holding steuerfrei

Wann lohnt sich eine Holding?

  • Gewinn der operativen Gesellschaft > CHF 200'000 pro Jahr
  • Geplanter Verkauf der Gesellschaft in der Zukunft
  • Mehrere operative Gesellschaften
  • Reinvestitionsbedarf über die operative Gesellschaft hinaus

Steuerersparnis bei Verkauf: Ohne Holding: Verkaufserlös wird als Einkommen des Inhabers besteuert (indirekte Teilliquidation-Risiko). Mit Holding: Kapitalgewinn steuerfrei auf Stufe Holding – Besteuerung erst bei Auszahlung an die natürliche Person.

Beispiel:

  • Verkauf der operativen GmbH für CHF 2'000'000
  • Stammkapital: CHF 20'000
  • Kapitalgewinn: CHF 1'980'000
  • Ohne Holding (Einkommen): ca. CHF 700'000 Steuern
  • Mit Holding (steuerfrei auf Holdingstufe): CHF 0 auf Stufe Holding
  • Bei späterer Ausschüttung als Dividende: ca. CHF 350'000
  • Ersparnis: ca. CHF 350'000

Häufige Fehler von Unternehmern

Fehler 1: Rechtsform nie überprüft Viele Unternehmer starten als Einzelunternehmen und bleiben dabei, obwohl eine GmbH längst günstiger wäre. Prüfen Sie die Rechtsform jährlich.

Fehler 2: Vermischung von Privat und Geschäft Unklare Trennung zwischen privaten und geschäftlichen Ausgaben führt zu Problemen bei der Steuerprüfung. Führen Sie ein separates Geschäftskonto.

Fehler 3: Vorsorge nicht maximiert Der Säule-3a-Maximalbeitrag für Selbstständige ohne PK (CHF 36'288) wird selten ausgeschöpft. Auch PK-Einkäufe werden oft vergessen.

Fehler 4: Keine Steuerplanung am Jahresende Durch gezielte Investitionen, Abschreibungen oder PK-Einkäufe im Dezember können Sie den steuerbaren Gewinn des laufenden Jahres noch senken.

Fehler 5: Unternehmensnachfolge nicht geplant Die Übertragung eines Unternehmens an die nächste Generation oder einen Käufer hat massive steuerliche Auswirkungen. Beginnen Sie die Planung 5-10 Jahre im Voraus, um die privilegierte Nachfolgebesteuerung zu nutzen.

Häufig gestellte Fragen

Das hängt von Ihrem erwarteten Gewinn ab. Als Faustregel: Ab einem Gewinn von ca. CHF 100'000-150'000 pro Jahr lohnt sich die GmbH steuerlich, da der Gewinnsteuersatz tiefer ist als der Grenzsteuersatz der Einkommenssteuer. Zudem bietet die GmbH Haftungsbeschränkung und mehr Flexibilität bei der Vergütungsgestaltung.

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