Tipp 1: Alle Betriebsausgaben konsequent abziehen
Als Selbstständiger können Sie alle geschäftsmässig begründeten Aufwendungen vom Einkommen abziehen. Viele Selbstständige verschenken Geld, weil sie Abzüge vergessen oder nicht kennen.
Häufig vergessene Abzüge:
- Homeoffice-Anteil: Miete, Strom, Heizung, Internet – proportional zur genutzten Fläche. Bei einem Arbeitszimmer von 15m² in einer 100m²-Wohnung: 15% der Miet- und Nebenkosten.
- Fahrzeugkosten: Geschäftsfahrten zu CHF 0.70/km oder effektive Kosten (Leasing, Versicherung, Unterhalt, Benzin). Bei einem Privatfahrzeug: Fahrtenbuch führen und geschäftlichen Anteil berechnen.
- Telefon und Internet: Anteil der geschäftlichen Nutzung (z.B. 60%)
- Software und Abonnements: Adobe, Microsoft 365, Buchhaltungssoftware, Fachzeitschriften
- Weiterbildung: Kurse, Konferenzen, Fachliteratur, Online-Kurse
- Versicherungen: Berufshaftpflicht, Betriebsunterbrechung, Rechtsschutz
- Verbandsbeiträge: Berufs- und Branchenverbände
- Bewirtung: Geschäftsessen (50% abzugsfähig in vielen Kantonen)
- Reisekosten: Geschäftsreisen zu Kunden, Messen, Konferenzen
Praxisbeispiel: Ein IT-Berater mit CHF 180'000 Umsatz vergisst typischerweise Abzüge im Wert von CHF 5'000–12'000: Homeoffice-Anteil, Software, Weiterbildung, anteilige Fahrzeugkosten. Bei einem Grenzsteuersatz von 33% kostet ihn das CHF 1'650–3'960 unnötige Steuern pro Jahr.
Tipp 2: AHV-Beiträge optimieren
Die AHV ist als Selbstständiger Ihr grösster «Pflichtabzug». Die Beiträge sind aber steuerlich voll abzugsfähig.
Beitragsberechnung:
- Ab CHF 58'800 Einkommen: 10.0% AHV/IV/EO
- Unter CHF 58'800: Degressive Skala (ab 5.371%)
- Minimum: CHF 514 pro Jahr (bei Einkommen unter CHF 9'800)
- Familienausgleichskasse (FAK): Zusätzlich 0.5–2.5% je nach Kanton
Optimierung:
- Zahlen Sie die provisorischen AHV-Beiträge pünktlich – Verzugszinsen sind teuer (5%)
- Prüfen Sie die definitive Abrechnung – Nachzahlungen können im Folgejahr abgezogen werden
- Bei stark schwankendem Einkommen: Passen Sie die Akontozahlungen an, um Über- oder Unterzahlungen zu vermeiden
Tipp 3: Vorsorge maximieren (Säule 3a und PK)
Selbstständige ohne Pensionskasse haben den höchsten möglichen Säule-3a-Abzug: bis zu CHF 36'288 pro Jahr (20% des Nettoeinkommens, max. CHF 36'288).
Strategien:
- Maximalbetrag einzahlen: CHF 36'288 bei Einkommen ab CHF 181'440
- Fünf-Konten-Strategie: Auf 5 verschiedene 3a-Konten einzahlen, um bei Bezug die Progression zu brechen
- ETF-3a-Konto: Bei langem Anlagehorizont (>10 Jahre) höhere Rendite als Sparkonto
- Freiwillige PK: Selbstständige können sich freiwillig einer Pensionskasse anschliessen. PK-Beiträge sind voll abzugsfähig und schaffen zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten.
Rechenbeispiel: Nettoeinkommen CHF 150'000, Kanton Zürich, ledig.
- Säule 3a: CHF 36'288 Einzahlung
- Grenzsteuersatz: ca. 35%
- Steuerersparnis: ca. CHF 12'700 pro Jahr
Zum Vergleich: Ein Angestellter mit PK kann nur CHF 7'258 einzahlen und spart ca. CHF 2'540.
Tipp 4: Abschreibungen strategisch einsetzen
Investitionen in Geschäftsanlagen können über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. In der Schweiz ist die degressive Methode üblich:
| Anlagekategorie | Abschreibungssatz (degressiv) |
|---|---|
| Computer, Software | 40% |
| Mobiliar | 25% |
| Fahrzeuge | 40% |
| Maschinen | 30% |
| Gebäude (Geschäft) | 4–7% |
Strategien:
- Investitionen vor Jahresende tätigen: Noch im laufenden Jahr abschreiben
- Sofortabschreibung: Kleinanschaffungen unter CHF 1'000 sofort als Aufwand verbuchen
- Timing: In guten Jahren mehr investieren (höherer Abschreibungseffekt)
Tipp 5: MWST-Registrierung prüfen
Die MWST-Pflicht beginnt ab CHF 100'000 Jahresumsatz. Aber auch eine freiwillige Registrierung kann sich lohnen:
Vorteile der freiwilligen Registrierung:
- Vorsteuerabzug auf alle geschäftlichen Einkäufe
- Professionelleres Auftreten bei B2B-Kunden
- Rückforderung der MWST auf Investitionen
Nachteile:
- Administrativer Aufwand (MWST-Abrechnung quartals- oder halbjährlich)
- MWST auf Rechnungen an Privatkunden (kann abschreckend wirken)
Saldosteuersatz-Methode: Vereinfachtes Verfahren – Sie versteuern einen pauschalen Satz (je nach Branche 0.1–6.5%) und müssen keine Vorsteuern einzeln deklarieren. Ideal für Dienstleister mit wenig Vorleistungen.
Tipp 6: Rechtsform regelmässig prüfen
Als Selbstständiger mit Einzelfirma zahlen Sie auf den gesamten Gewinn:
- Einkommenssteuer (progressiv, bis ca. 40%)
- AHV/IV/EO (bis 10%)
Ab einem Gewinn von ca. CHF 80'000–100'000 wird die GmbH steuerlich attraktiver:
- Gewinnsteuer: 12–24% (kantonsabhängig)
- Lohn: Einkommenssteuer + AHV (aber nur auf den Lohnanteil)
- Dividende: Privilegiert besteuert (70% auf Bundesebene)
Lassen Sie alle 2–3 Jahre einen Rechtsform-Check durchführen, um zu prüfen, ob ein Wechsel sinnvoll ist.
Tipp 7: Geschäftsjahr und Abschluss optimieren
- Rechnungen Ende Jahr stellen: Einkommen wird im Zeitpunkt der Leistung erfasst, nicht der Zahlung (bei Selbstständigen mit Einnahmen-/Ausgabenrechnung anders)
- Rechnungen über Jahreswechsel steuern: Grossaufträge ggf. auf zwei Jahre verteilen, um Progression zu brechen
- Delkredere bilden: Rückstellung für zweifelhafte Forderungen (5% der Debitoren pauschal anerkannt)
- Rückstellungen: Garantien, Prozesse, Schadensfälle
Tipp 8: Buchhaltung sauber führen
Eine ordentliche Buchhaltung ist nicht nur Pflicht, sondern spart langfristig Geld:
- Doppelte Buchhaltung ab CHF 500'000 Umsatz (Pflicht gemäss OR)
- Einfache Buchhaltung (Milchbüchlein) unter CHF 500'000 erlaubt
- Belege aufbewahren: 10 Jahre Aufbewahrungspflicht
- Digitale Tools: Bexio, Abacus, Banana – sparen Zeit und Fehler
- Trennung Privat/Geschäft: Separates Geschäftskonto und Kreditkarte
Checkliste: Steuererklärung Selbstständige
- Jahresabschluss erstellen (Bilanz + Erfolgsrechnung oder Milchbüchlein)
- Alle Betriebsausgaben vollständig erfassen
- Abschreibungen berechnen
- Rückstellungen und Delkredere prüfen
- Privatanteil Fahrzeug/Homeoffice korrekt berechnen
- AHV-Beiträge als Abzug deklarieren
- Säule 3a-Einzahlung maximieren (CHF 36'288)
- MWST-Abrechnung prüfen (falls registriert)
- Geschäftsschuld und -vermögen deklarieren
- Alle Belege 10 Jahre archivieren