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Steuern: Bund, Kanton und Gemeinde erklärt

Das dreistufige Steuersystem der Schweiz verständlich erklärt. Erfahren Sie, wie Bund, Kanton und Gemeinde Steuern erheben und was das für Sie bedeutet.

Von Bastien Thiébaud·Aktualisiert: 15. Februar 2026

Das föderale Steuersystem der Schweiz

Die Schweiz hat weltweit eines der einzigartigsten Steuersysteme. Steuern werden auf drei Ebenen erhoben: Bund, Kanton und Gemeinde. Diese föderale Struktur hat historische Wurzeln und ist tief in der Schweizer Verfassung verankert.

Für Steuerpflichtige bedeutet dies, dass Ihre Gesamtsteuerbelastung massgeblich von Ihrem Wohnort abhängt. Zwei Personen mit identischem Einkommen können je nach Wohnkanton und -gemeinde eine völlig unterschiedliche Steuerlast haben.

Das Zusammenspiel der drei Ebenen:

  • Die direkte Bundessteuer ist in der ganzen Schweiz einheitlich
  • Die Kantonssteuer variiert erheblich zwischen den 26 Kantonen
  • Die Gemeindesteuer sorgt für weitere Unterschiede innerhalb der Kantone

Die direkte Bundessteuer

Die direkte Bundessteuer wird vom Bund erhoben und ist auf dem gesamten Bundesgebiet einheitlich. Sie wird ausschliesslich auf das Einkommen erhoben – eine Vermögenssteuer gibt es auf Bundesebene nicht.

Kennzeichen der Bundessteuer

  • Progressiver Tarif: Steuersätze von 0% bis maximal 11.5%
  • Nur Einkommenssteuer: Keine Vermögenssteuer auf Bundesebene
  • Verschiedene Tarife: Grundtarif (Alleinstehende), Verheiratetentarif, Elterntarif
  • Relativ moderater Anteil: Typischerweise 15-25% der Gesamtsteuerbelastung

Rechenbeispiel Bundessteuer

Für ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem steuerbaren Einkommen von CHF 120'000:

  • Steuer gemäss Tarif: ca. CHF 2'400
  • Kinderabzug: CHF 259 pro Kind
  • Effektive Bundessteuer: ca. CHF 1'880
  • Durchschnittssatz: ca. 1.6%

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Die Kantonssteuer

Die Kantonssteuer macht den grössten Teil der Steuerbelastung aus. Jeder der 26 Kantone hat sein eigenes Steuergesetz, eigene Tarife und eigene Abzugsmöglichkeiten.

Wie funktioniert die kantonale Besteuerung?

Die meisten Kantone verwenden ein System mit einfacher Steuer und Steuerfuss:

  1. Einfache Steuer berechnen: Basierend auf dem kantonalen Steuertarif wird die einfache Steuer ermittelt
  2. Steuerfuss anwenden: Die einfache Steuer wird mit dem kantonalen Steuerfuss multipliziert
  3. Ergebnis: Kantonale Steuer = Einfache Steuer × Steuerfuss

Steuerbelastung im Kantonsvergleich

Für eine ledige Person mit CHF 100'000 steuerbarem Einkommen (nur Kantonssteuer, ohne Gemeinde):

KantonUngefähre KantonssteuerSteuerfuss (Beispiel)
ZugCHF 3'20082%
SchwyzCHF 4'100150%
NidwaldenCHF 4'300100%
LuzernCHF 5'600170%
ZürichCHF 6'800100%
BernCHF 8'100153.6%
Basel-StadtCHF 9'200100%
GenfCHF 10'50044.5 cts/CHF

Beachten Sie: Diese Werte sind gerundet und dienen der Illustration. Die tatsächliche Steuer hängt von zahlreichen individuellen Faktoren ab.

Was besteuern die Kantone?

Im Gegensatz zum Bund erheben die Kantone sowohl eine Einkommenssteuer als auch eine Vermögenssteuer. Zusätzlich können Kantone weitere Steuern erheben:

  • Einkommenssteuer (alle Kantone)
  • Vermögenssteuer (alle Kantone)
  • Erbschafts- und Schenkungssteuer (die meisten Kantone, Ausnahme: Schwyz)
  • Grundstückgewinnsteuer
  • Handänderungssteuer (nicht alle Kantone)
  • Motorfahrzeugsteuer

Die Gemeindesteuer

Die Gemeindesteuer ist die dritte Steuerebene und sorgt für die Finanzierung lokaler Aufgaben wie Schulen, Infrastruktur und Sozialleistungen.

Wie wird die Gemeindesteuer berechnet?

Die Gemeindesteuer wird in der Regel als Vielfaches der einfachen Kantonssteuer berechnet:

Gemeindesteuer = Einfache Steuer × Gemeindesteuerfuss

Der Gemeindesteuerfuss variiert stark – selbst innerhalb eines Kantons. Typische Bandbreiten:

  • Kanton Zürich: 76% (Kilchberg) bis 131% (Adliswil)
  • Kanton Bern: 1.10 (Muri bei Bern) bis 2.08 (Saanen)
  • Kanton Aargau: 78% (Geltwil) bis 130% (Zeiningen)

Auswirkung auf die Gesamtsteuerbelastung

Die Gemeinde kann die Gesamtsteuerbelastung um 20-40% beeinflussen. Bei einem steuerbaren Einkommen von CHF 150'000 kann der Unterschied zwischen der günstigsten und teuersten Gemeinde im selben Kanton leicht CHF 5'000–10'000 pro Jahr betragen.

Wie Steuerfüsse funktionieren

Der Steuerfuss ist das zentrale Instrument von Kantonen und Gemeinden zur Steuerung ihrer Einnahmen. Er wird jährlich von der Legislative (Kantonsrat/Gemeindeversammlung) festgelegt.

Berechnung der Gesamtsteuer

Gesamtsteuer = Direkte Bundessteuer + (Einfache Steuer × Kantonaler Steuerfuss) + (Einfache Steuer × Gemeindesteuerfuss) + (Einfache Steuer × Kirchensteuerfuss)

Beispielrechnung

Einfache Steuer auf CHF 100'000 Einkommen in einem fiktiven Kanton: CHF 5'000

  • Kantonaler Steuerfuss: 100% → CHF 5'000
  • Gemeindesteuerfuss: 110% → CHF 5'500
  • Kirchensteuerfuss: 10% → CHF 500
  • Direkte Bundessteuer: → CHF 2'600

Gesamtsteuer: CHF 13'600 (Durchschnittssatz: 13.6%)

Auswirkungen auf die Gesamtsteuerbelastung

Die Kombination von Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuer führt zu massiven Unterschieden in der Gesamtsteuerbelastung:

Tiefste Steuerbelastung (Auswahl)

  • Baar (ZG): Gesamtbelastung ca. 10-12% bei CHF 150'000 Einkommen
  • Wollerau (SZ): Gesamtbelastung ca. 10-13%
  • Hergiswil (NW): Gesamtbelastung ca. 11-13%

Höchste Steuerbelastung (Auswahl)

  • Genf (GE): Gesamtbelastung ca. 28-33% bei CHF 150'000 Einkommen
  • Lausanne (VD): Gesamtbelastung ca. 26-30%
  • Delsberg (JU): Gesamtbelastung ca. 27-31%

Was bedeutet das konkret?

Bei einem steuerbaren Einkommen von CHF 150'000 kann die jährliche Steuerdifferenz zwischen dem günstigsten und dem teuersten Standort leicht CHF 25'000 bis 35'000 betragen. Über zehn Jahre summiert sich das auf eine Viertelmillion Franken.

Optimierungsmöglichkeiten

1. Wohnortwahl

Die Wahl des Wohnorts ist die wirksamste steuerliche Massnahme überhaupt. Bereits ein Umzug in eine günstigere Nachbargemeinde kann tausende Franken pro Jahr sparen.

2. Kirchensteuer

Der Austritt aus der Kirche spart die Kirchensteuer (typisch 8-12% der einfachen Steuer). Bei hohem Einkommen kann dies mehrere tausend Franken pro Jahr ausmachen.

3. Kantonale Abzüge nutzen

Jeder Kanton hat eigene Abzugsmöglichkeiten. Informieren Sie sich über alle verfügbaren Abzüge in Ihrem Kanton – von Berufsauslagen über Weiterbildungskosten bis zu Krankheitskosten.

4. Vorsorgeoptimierung

Einzahlungen in die Säule 3a und Einkäufe in die Pensionskasse reduzieren das steuerbare Einkommen auf allen drei Steuerebenen gleichzeitig. Der Spareffekt potenziert sich dadurch.

5. Timing von Einkünften

Durch die zeitliche Steuerung von Einkünften (z.B. Bonuszahlungen, Kapitalgewinne) können Sie die Progression brechen und so die Gesamtbelastung reduzieren.

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Häufig gestellte Fragen

Die Schweiz hat ein föderales System, bei dem Bund, Kantone und Gemeinden eigenständig Steuern erheben. Dies ermöglicht den Kantonen und Gemeinden Autonomie und führt zu einem Steuerwettbewerb, der die Belastung insgesamt moderiert.

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