Das Kernproblem: Säule 3a wird oft untergenutzt
Die Säule 3a ist eine der effektivsten Möglichkeiten, in der Schweiz Steuern zu sparen. Trotzdem nutzen viele Schweizerinnen und Schweizer diese Vorsorge nicht optimal – sei es aus Unkenntnis der Limits, aus Bequemlichkeit oder weil sie die strategischen Möglichkeiten nicht kennen. Wer die Säule 3a maximiert, reduziert seine Steuerlast um mehrere Tausend Franken pro Jahr – bei gleichzeitiger Altersvorsorge.
Die zentralen Herausforderungen:
- Viele kennen die aktuellen Einzahlungslimits nicht (ständig angepasst)
- Die Differenz zwischen Angestellten (CHF 7'258) und Selbstständigen (CHF 36'288) wird oft vergessen
- Kaum jemand nutzt die Fünf-Konten-Strategie für optimale Bezugsstaffelung
- Der Zeitpunkt der Einzahlung (vor/nach Steuererklärung) wird vernachlässigt
- Die Wahl zwischen ETF, Sparkonto und Versicherung ist selten durchdacht
Rechtlicher Rahmen: BVG, Steuerrecht und Einzahlungslimits
Die Säule 3a ist in Artikel 82 ff. des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) sowie in den kantonalen Steuergesetzen geregelt.
Einzahlungslimits 2026 (gemäss Bundesamt für Sozialversicherungen BSV):
- Angestellte mit Pensionskasse: CHF 7'258 pro Jahr
- Angestellte ohne Pensionskasse: CHF 36'288 oder 20% des Bruttolohns (niedrigerer Wert)
- Selbstständige ohne Pensionskasse: CHF 36'288 oder 20% des Nettoeinkommens (niedrigerer Wert)
- Selbstständige mit PK: Differenz zum Angestellten-Maximum, abhängig vom Koordinationsabzug
Die Limits werden jährlich an die Lohnentwicklung angepasst. Wer teilzeitversichert ist (z.B. 50% Anstellung), erhält ein entsprechend reduziertes Limit (z.B. ca. CHF 3'629).
Steuerliche Behandlung:
- Einzahlungen sind vom steuerbaren Einkommen abzugsfähig (Bund, Kanton, Gemeinde)
- Beim Bezug (Pensionierung, Wegzug, Kauf Wohneigentum, Arbeitslosigkeit) fällt eine reduzierte Steuer an
- Die Besteuerung erfolgt nach dem «Fünftelungsverfahren» beim Bund – effektiv deutlich unter dem Normalsatz
Rechenbeispiele: Steuerersparnis nach Einkommen
Die Steuerersparnis durch die Säule 3a hängt vom Grenzsteuersatz ab – je höher das Einkommen, desto wertvoller der Abzug.
Beispiel 1 – Mittleres Einkommen (CHF 80'000, Kanton Zürich, ledig):
- Grenzsteuersatz: ca. 28%
- Maximale Einzahlung: CHF 7'258
- Steuerersparnis: CHF 7'258 × 28% = CHF 2'032
- Netto-Kosten der Einzahlung: CHF 5'226
Beispiel 2 – Hohes Einkommen (CHF 150'000, Kanton Zürich, verheiratet):
- Grenzsteuersatz: ca. 35%
- Maximale Einzahlung: CHF 7'258
- Steuerersparnis: CHF 7'258 × 35% = CHF 2'540
- Netto-Kosten der Einzahlung: CHF 4'718
Beispiel 3 – Selbstständiger (CHF 200'000 Nettogewinn, Kanton Bern):
- Grenzsteuersatz: ca. 40%
- Maximale Einzahlung: CHF 36'288
- Steuerersparnis: CHF 36'288 × 40% = CHF 14'515
- Netto-Kosten der Einzahlung: CHF 21'773
Beispiel 4 – Laufende Einzahlung über 25 Jahre (CHF 7'258/Jahr, 3% Rendite):
- Gesamt eingezahlt: CHF 181'450
- Endvermögen nach 25 Jahren: ca. CHF 260'000
- Steuerersparnis über 25 Jahre (Ø 32%): ca. CHF 58'000
- Steuer beim Bezug (gestaffelt über 5 Konten): ca. CHF 18'000
- Netto-Steuervorteil über Lebenszyklus: ca. CHF 40'000
Schritt-für-Schritt-Strategie: Säule 3a optimal nutzen
Schritt 1: Limit prüfen Ermitteln Sie Ihr persönliches Einzahlungslimit: Angestellte erhalten die Information bei der Pensionskasse, Selbstständige berechnen 20% des Nettoeinkommens (max. CHF 36'288).
Schritt 2: Fünf-Konten-Strategie umsetzen Eröffnen Sie bis zu fünf 3a-Konten bei verschiedenen Anbietern (Banken, Versicherungen). Bei Pensionierung können Sie pro Jahr ein Konto auflösen – die Bezüge werden gestaffelt besteuert, die Progression bleibt niedrig.
Schritt 3: Zeitpunkt optimieren Zahlen Sie möglichst früh im Jahr ein (Januar/Februar), um Zinsen/Renditen länger zu nutzen. Alternativ: Kurz vor Abgabe der Steuererklärung, falls Sie die Liquidität brauchen – der Abzug gilt rückwirkend für das vergangene Jahr.
Schritt 4: Anlageform wählen Für junge Anleger (20+ Jahre bis Pensionierung): ETF-3a oder aktive Fonds. Für ältere oder risikoscheue: Sparkonto oder gemischte Lösung. Die Steuerbehandlung ist identisch.
Schritt 5: Bezugsplanung vorbereiten Ab 55 (Frauen) bzw. 60 (Männer) können Sie 3a-Guthaben beziehen. Planen Sie die Auflösung der fünf Konten über 5 Jahre, um die Steuerlast zu minimieren. Koordinieren Sie mit PK-Kapital und Freizügigkeitsguthaben.
Fünf-Konten-Strategie: Konkrete Bezugsoptimierung
Szenario: 3a-Gesamtvermögen CHF 200'000 bei Pensionierung mit 65.
Ohne Staffelung (1 Konto, alles in Jahr 1):
- Steuer (Kanton Zürich): ca. CHF 14'000
Mit Fünf-Konten-Strategie (5 × CHF 40'000 über 5 Jahre):
- Jahr 1: CHF 40'000 → ca. CHF 2'200
- Jahr 2: CHF 40'000 → ca. CHF 2'200
- Jahr 3: CHF 40'000 → ca. CHF 2'200
- Jahr 4: CHF 40'000 → ca. CHF 2'200
- Jahr 5: CHF 40'000 → ca. CHF 2'200
- Total: ca. CHF 11'000
- Ersparnis: ca. CHF 3'000
Bei höherem Vermögen (z.B. CHF 400'000) kann die Ersparnis CHF 8'000–15'000 betragen.
Häufige Fehler bei der Säule 3a
Fehler 1: Limit nicht ausgeschöpft Jeder Franken, den Sie nicht einzahlen, ist eine verpasste Steuerersparnis. Prüfen Sie jährlich, ob Sie das Maximum erreicht haben – besonders bei Gehaltserhöhungen oder Wechsel in die Selbstständigkeit.
Fehler 2: Nur ein 3a-Konto Mit einem einzigen Konto zahlen Sie bei der Pensionierung unnötig hohe Steuern. Eröffnen Sie frühzeitig mehrere Konten und verteilen Sie die Einzahlungen gleichmässig.
Fehler 3: Bezug ohne Planung Wer alle 3a-Konten in einem Jahr auflöst, landet in der höchsten Progressionsstufe. Koordinieren Sie den Bezug mit PK-Kapital und planen Sie mindestens 3–5 Jahre für die Auflösung.
Fehler 4: ETF-3a zu spät gewechselt Wenn Sie mit 55 noch 100% in Cash haben und 10 Jahre bis zur Pensionierung, verpassen Sie Renditechancen. Die Anlagestrategie sollte dem Resthorizont entsprechen.
Fehler 5: Einzahlung verpasst – kein Nachholen Die Säule 3a kennt keine Nachholeinzahlungen. Ein vergessenes Jahr ist unwiederbringlich. Richten Sie einen Dauerauftrag oder eine Erinnerung ein.