Steuerthema

Dividende oder Lohn: Die optimale Vergütungsstrategie

Lohn oder Dividende als GmbH-Inhaber? Erfahren Sie die steuerlich optimale Aufteilung in der Schweiz mit Rechenbeispielen und Expertentipps.

Das Grundproblem: Doppelbesteuerung vs. Sozialabgaben

Als Inhaber einer GmbH oder AG stehen Sie vor einer zentralen Frage: Wie bezahlen Sie sich am besten? Lohn und Dividende werden in der Schweiz grundlegend unterschiedlich besteuert – und die Wahl hat massive Auswirkungen auf Ihre Gesamtbelastung.

Lohn wird wie folgt belastet:

  • Einkommenssteuer (Bund, Kanton, Gemeinde) zum vollen Satz
  • AHV/IV/EO-Beiträge: 10.6% (je 5.3% Arbeitgeber und Arbeitnehmer)
  • ALV-Beiträge: 2.2% (bis CHF 148'200)
  • BVG-Beiträge (altersabhängig)
  • Der Lohn ist für die GmbH als Aufwand abzugsfähig

Dividende wird hingegen so behandelt:

  • Auf Unternehmensebene: Gewinnsteuer (ca. 12-24% je nach Kanton)
  • Auf Privatebene: Privilegierte Besteuerung bei Beteiligung ab 10%
  • Bundessteuer: Nur 70% der Dividende wird als Einkommen erfasst
  • Keine AHV-Beiträge (bei angemessenem Lohn)

Die Herausforderung liegt in der sogenannten wirtschaftlichen Doppelbesteuerung: Der Gewinn wird zuerst auf Stufe Gesellschaft besteuert und dann nochmals als Dividende beim Aktionär. Trotzdem kann die Dividende in vielen Fällen günstiger sein als ein hoher Lohn.

Rechenbeispiel: Kanton Zürich

Nehmen wir einen GmbH-Inhaber in Zürich (Stadt) mit einem verfügbaren Betrag von CHF 250'000, verheiratet, reformiert:

Variante 1: Alles als Lohn (CHF 250'000)

  • Einkommenssteuer (Bund + Kanton + Gemeinde): ca. CHF 45'000
  • AHV/IV/EO Arbeitnehmer (5.3%): CHF 13'250
  • AHV/IV/EO Arbeitgeber (5.3%): CHF 13'250
  • ALV (1.1% AN + 1.1% AG bis Grenze): ca. CHF 3'260
  • Gesamtbelastung: ca. CHF 74'760

Variante 2: Lohn CHF 150'000 + Gewinn/Dividende CHF 100'000

  • Einkommenssteuer auf Lohn + Dividende (privilegiert): ca. CHF 38'500
  • AHV auf Lohn (5.3% AN + 5.3% AG): CHF 15'900
  • ALV auf Lohn: ca. CHF 3'260
  • Gewinnsteuer GmbH auf CHF 100'000: ca. CHF 18'000
  • Gesamtbelastung: ca. CHF 75'660

Variante 3: Lohn CHF 120'000 + Gewinn/Dividende CHF 130'000

  • Einkommenssteuer auf Lohn + Dividende (privilegiert): ca. CHF 36'200
  • AHV auf Lohn (5.3% AN + 5.3% AG): CHF 12'720
  • ALV auf Lohn: ca. CHF 2'640
  • Gewinnsteuer GmbH auf CHF 130'000: ca. CHF 23'400
  • Gesamtbelastung: ca. CHF 74'960

Die Unterschiede zwischen den Varianten sind in diesem Beispiel gering, aber bei höheren Beträgen (ab CHF 500'000) wird der Vorteil der Dividendenstrategie deutlich grösser – Einsparungen von CHF 15'000-30'000 jährlich sind realistisch.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Die steuerliche Behandlung von Lohn und Dividende basiert auf folgenden Grundlagen:

Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG):

  • Art. 20 Abs. 1bis DBG: Dividenden aus qualifizierten Beteiligungen (ab 10%) werden nur zu 70% als Einkommen besteuert
  • Die Kantone haben eigene Regelungen – die privilegierte Besteuerung liegt zwischen 50% und 80% je nach Kanton

AHV-rechtliche Aspekte:

  • Gemäss AHVG und der Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 141 V 634) muss ein «branchenüblicher Lohn» bezogen werden
  • Die AHV-Ausgleichskassen prüfen aktiv, ob das Verhältnis von Lohn und Dividende angemessen ist
  • Richtwert: Der Lohn sollte mindestens 50-60% der Gesamtvergütung betragen

Verrechnungssteuer:

  • Auf Dividenden wird 35% Verrechnungssteuer erhoben (Art. 4 VStG)
  • Diese kann bei korrekter Deklaration in der Steuererklärung zurückgefordert werden

Schritt-für-Schritt: Optimale Strategie finden

  1. Branchenüblichen Lohn ermitteln – Prüfen Sie via Lohnrechner des BFS oder Branchenvergleich, was ein vergleichbarer Angestellter verdienen würde. Dieser Betrag ist das Minimum.
  2. Kantonale Unterschiede berücksichtigen – Die privilegierte Dividendenbesteuerung variiert stark. In Luzern (50% Besteuerung) lohnt sich die Dividende mehr als in Genf (70%).
  3. AHV-Deckung sicherstellen – Der Lohn muss hoch genug sein, damit Sie ausreichend AHV-Beitragsjahre und einen guten Rentenanspruch aufbauen. Das aktuelle Maximum der AHV-Rente (CHF 2'450/Monat) erfordert ein durchschnittliches Jahreseinkommen von mindestens CHF 88'200.
  4. BVG-Beiträge optimieren – Über einen höheren versicherten Lohn können Sie mehr in die Pensionskasse einzahlen und so zusätzlich Steuern sparen.
  5. Gesamtrechnung erstellen – Berechnen Sie alle Abgaben für verschiedene Lohn-/Dividenden-Aufteilungen und wählen Sie die Variante mit der tiefsten Gesamtbelastung.
  6. Dokumentation sicherstellen – Halten Sie die Vergütungsstrategie im Protokoll der Gesellschafterversammlung fest und führen Sie eine ordentliche Lohnbuchhaltung.

Häufige Fehler vermeiden

Fehler 1: Kein oder nur minimaler Lohn Manche GmbH-Inhaber zahlen sich nur CHF 30'000-40'000 Lohn und den Rest als Dividende. Dies ist riskant: Die AHV-Ausgleichskasse kann die Dividende als verdeckten Lohn umqualifizieren, was zu Nachzahlungen, Zinsen und Bussen führen kann.

Fehler 2: Kantonale Unterschiede ignorieren Die optimale Aufteilung variiert je nach Kanton erheblich. Was in Zug ideal ist, kann in Basel-Stadt suboptimal sein.

Fehler 3: Vorsorge vernachlässigen Ein zu tiefer Lohn bedeutet tiefere AHV-Rente und weniger BVG-Sparbeiträge. Die kurzfristige Steuerersparnis kann sich langfristig rächen.

Fehler 4: Verrechnungssteuer vergessen Die 35% Verrechnungssteuer auf Dividenden muss innert drei Jahren in der Steuererklärung geltend gemacht werden – sonst verfällt der Anspruch.

Fehler 5: Keine professionelle Beratung Die Berechnung ist komplex und hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Eine professionelle Steuerberatung zahlt sich in den meisten Fällen um ein Vielfaches aus.

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Häufig gestellte Fragen

Als GmbH-Inhaber können Sie sich Dividenden aus dem verfügbaren Gewinn auszahlen. Bei einer Beteiligung von mindestens 10% wird die Dividende in den meisten Kantonen privilegiert besteuert – auf Bundesebene werden nur 70% der Dividende als Einkommen erfasst.

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