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Steuern für KMU & Unternehmen in der Schweiz

Steuerplanung für KMU: Rechtsformwahl, Dividende vs. Lohn, Standortoptimierung und mehr. Praxisnahe Strategien für Unternehmer.

Rechtsformwahl: GmbH, AG oder Einzelfirma?

Die Wahl der Rechtsform ist eine der wichtigsten steuerlichen Entscheidungen für Unternehmer in der Schweiz. Jede Rechtsform hat spezifische Vor- und Nachteile bei der Besteuerung.

Einzelfirma / Personengesellschaft:

  • Gewinne werden direkt beim Inhaber als Einkommen besteuert (progressiver Steuersatz)
  • Einfache Gründung und Verwaltung, keine doppelte Buchführung nötig unter CHF 500'000 Umsatz
  • AHV-Beiträge auf den gesamten Gewinn (9.95%)
  • Volle persönliche Haftung

GmbH / AG (Kapitalgesellschaft):

  • Gewinn wird auf Unternehmensebene besteuert (proportionaler Satz, ca. 12–21%)
  • Ausschüttungen an Inhaber werden als Dividende besteuert (privilegiert ab 10% Beteiligung)
  • AHV nur auf den Lohnanteil, nicht auf Dividenden
  • Beschränkte Haftung und professionelleres Auftreten

Ab einem Gewinn von ca. CHF 100'000–150'000 ist die Kapitalgesellschaft steuerlich meist überlegen. Die exakte Schwelle hängt stark vom Kanton und der persönlichen Situation ab.

Dividende vs. Lohn – Die optimale Vergütungsstrategie

Für Inhaber einer GmbH oder AG ist die Aufteilung zwischen Lohn und Dividende einer der grössten Steuerhebel. Die richtige Mischung kann die Gesamtsteuerbelastung um CHF 10'000–30'000 pro Jahr reduzieren.

Lohn (Vorteile):

  • Abzugsfähiger Aufwand für das Unternehmen
  • Aufbau von AHV- und Pensionskassenguthaben
  • Einzahlungen in die Säule 3a möglich

Dividende (Vorteile):

  • Keine AHV-Beiträge (Ersparnis von bis zu 10% Arbeitgeber + Arbeitnehmer)
  • Privilegierte Besteuerung bei qualifizierter Beteiligung (mind. 10%)
  • Reduzierte Einkommenssteuer durch Teilbesteuerung (50–70% je nach Kanton)

Beispielrechnung (Kanton Zürich, 2026):

Ein Unternehmensgewinn von CHF 300'000 vor Inhabervergütung:

  • Variante 1: CHF 300'000 als Lohn → Gesamtbelastung ca. CHF 105'000
  • Variante 2: CHF 150'000 Lohn + CHF 150'000 Dividende → Gesamtbelastung ca. CHF 82'000
  • Ersparnis: ca. CHF 23'000 pro Jahr

Standortwahl und Steuerwettbewerb

Die Schweiz bietet dank ihrem föderalen System einen einzigartigen Steuerwettbewerb. Die Gewinnsteuersätze für Unternehmen variieren je nach Kanton erheblich.

Kantone mit tiefer Unternehmensbesteuerung (effektiver Gewinnsteuersatz 2026):

  • Zug: ca. 11.9%
  • Nidwalden: ca. 12.0%
  • Luzern: ca. 12.3%
  • Appenzell Innerrhoden: ca. 12.7%
  • Obwalden: ca. 12.7%

Kantone mit höherer Belastung:

  • Zürich: ca. 19.7%
  • Bern: ca. 21.0%
  • Basel-Stadt: ca. 18.5%
  • Genf: ca. 14.0%

Bei der Standortwahl sind neben den Steuern auch die Infrastruktur, der Arbeitsmarkt und die Erreichbarkeit zu berücksichtigen. Eine rein steuerlich motivierte Sitzverlegung kann von den Behörden hinterfragt werden.

Geschäftsfahrzeug, Spesen und Sachleistungen

Die korrekte Handhabung von Geschäftsfahrzeugen, Spesen und Sachleistungen bietet erhebliches Optimierungspotenzial, birgt aber auch Risiken bei fehlerhafter Deklaration.

Geschäftsfahrzeug:

  • Privatanteil wird als Einkommen aufgerechnet (0.9% des Kaufpreises pro Monat, mind. CHF 150)
  • Alle Fahrzeugkosten sind geschäftlich abzugsfähig
  • Leasing vs. Kauf: steuerlich ähnlich, Liquiditätsvorteil beim Leasing
  • Elektrofahrzeuge: tieferer Privatanteil in einigen Kantonen

Spesenreglement:

  • Ein vom Steueramt genehmigtes Spesenreglement ist Gold wert
  • Pauschalspesen von CHF 6'000–24'000 pro Jahr (je nach Funktion) sind steuerfrei
  • Keine Einzelbelege nötig für Pauschalbeträge
  • Deckt Repräsentation, Telefon, Kleinausgaben und Parkgebühren ab

Abschreibungen:

  • Sofortabschreibungen bei Anschaffungswert bis CHF 1'000
  • Degressive Abschreibung auf Mobiliar (40%), Fahrzeuge (40%), EDV (40%)
  • Immobilien: 2–4% je nach Kanton und Nutzung
  • Ausserplanmässige Abschreibungen bei Wertminderung möglich

Nachfolgeplanung für KMU

Die Unternehmensnachfolge ist für viele KMU-Inhaber die grösste finanzielle Transaktion ihres Lebens. Eine frühzeitige Steuerplanung kann bei einer Nachfolge Hunderttausende Franken sparen.

Steuerliche Aspekte der Nachfolge:

  • Privilegierte Liquidationsbesteuerung bei Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit nach dem 55. Altersjahr
  • Indirekte Teilliquidation vermeiden: Beim Verkauf an eine juristische Person kann die Steuerbehörde gewinnsteuerpflichtige Substanzdividenden aufrechnen
  • Umstrukturierungen steuerneutral durchführen (Umwandlung, Fusion, Spaltung)
  • Holdingstruktur für gestaffelte Nachfolge und Steueroptimierung

Empfohlene Vorgehensweise:

  1. Nachfolgeplanung 5–10 Jahre vor dem geplanten Rücktritt beginnen
  2. Unternehmensbewertung durch unabhängige Experten
  3. Steueroptimale Struktur aufsetzen (Holding, Betriebsgesellschaft)
  4. Schrittweise Übergabe mit steuerlich optimiertem Timing
  5. Altersvorsorge und Kapitalbezüge koordinieren

Buchhaltung und Steuerpflichten

Jedes Unternehmen in der Schweiz hat bestimmte buchhalterische und steuerliche Pflichten. Eine ordentliche Buchhaltung ist nicht nur gesetzliche Pflicht, sondern die Basis für jede Steueroptimierung.

Pflichten nach Rechtsform:

  • Einzelfirma unter CHF 500'000 Umsatz: vereinfachte Buchhaltung (Milchbüchlein)
  • Einzelfirma ab CHF 500'000 Umsatz: ordentliche Buchführung
  • GmbH und AG: immer ordentliche Buchführung nach OR und Revisionspflicht (je nach Grösse)
  • MWST-pflichtig ab CHF 100'000 Umsatz

Steuerfristen für Unternehmen:

  • Steuererklärung: in der Regel 6–9 Monate nach Geschäftsjahresende
  • MWST-Abrechnung: quartalsweise (oder halbjährlich)
  • AHV-Abrechnungen: monatlich oder quartalsweise
  • Quellensteuer-Abrechnung: monatlich bei quellenbesteuerten Mitarbeitern

Häufig gestellte Fragen

Eine GmbH lohnt sich steuerlich ab einem Gewinn von ca. CHF 100'000–150'000. Durch die Trennung von Unternehmens- und Privatsteuern sowie die Möglichkeit, Dividenden privilegiert zu besteuern, ergibt sich oft eine tiefere Gesamtbelastung. Eine Einzelfirma ist bei tieferen Einkommen einfacher und günstiger.

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